Was war eher da – Judo oder BJJ?

04.08.2025
Andi Fachtan

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Wenn man sich durch das Netz und besonders Video-Plattformen bewegen, stößt man oft auf Kämpfe oder Tutorials, in dem Leute diskutieren, dass das nun eine „BJJ-Technik“ sei oder anderes wieder „nur Judo“.  Teilweise natürlich polarisierend und hitzig, wie man es so von Youtube, Instagram & Co gewohnt ist. Wer hat denn aber nun recht?

Wenn die Leute in der heutigen Zeit Judo und Brazilian Jiu-Jitsu (BJJ) als komplett getrennte Sportarten sehen, liegt das schlichtweg an der historischen Entwicklung oder deren Vergessen. BJJ wird auf Bodenkampf und das andere auf Würfe reduziert. Gerade nachdem im Judo viele Jahrzehnte keine Würfe unter Bezugnahme der Beine bzw. des Unterkörpers erlaubt waren, unterscheidet sich schon der Start eines klassischen Judo-Kampfes noch vom, mehr ringerischen BJJ-Ansatz, der sich über die Jahre entwickelt hat (besonders im NoGi). Geschweige denn von Guardpulls. In der Anfangsgeschichte des Brazilian Jiu-Jitsu waren auch noch viel mehr klassische Würfe nach vorne involviert. Das ist dem geschuldet, dass man auch nicht so stark nach vorne gebeugt stand. Das Kredo war anfangs immer, wenn dir einer ins Gesicht schlagen kann, ist es nicht gut. Dieser Vale-Tudo- bzw. Selbstverteidigungsaspekt hat sich über die Jahrzehnte durch den reinen Sport-Grappling-Fokus vieler Schulen gewandelt. Schon allein durch die tiefere Haltung wurden Würfe nach vorne weniger möglich. Vereinzelte BJJ-Gyms unterrichten aber noch immer den traditionelleren Jiu-Jitsu Stil mit klassischen Würfen.

Grundsätzlich muss man zuerst verstehen, dass wir heutzutage eigentlich hauptsächlich von zwei unterschiedlichen Wettkampfprinzipien sprechen. Judokämpfer möchten Punkte erzielen, indem sie durch Würfe des Gegners auf den Rücken Ippons holen. Der Kampf auf dem Boden ist zeitlich zudem stark eingeschränkt. Im BJJ ist das Hauptziel jeher den Gegner zur Aufgabe zu zwingen oder durch dominante Positionen Punkte zu sammeln.

Das Judoprinzip wurde im vor allem dazu entwickelt, um dem ganzen eine, auf Wettkampf ausgerichtete Struktur ohne größere Verletzungsgefahr durch Aufgabegriffe zu geben. Noch zu Beginn des 20ten Jahrhunderts war die moderne Medizin noch immer in den Kinderschuhen und Verletzungen konnten fatale, unumkehrbare Folgen haben. Der sportlichere Wettkampfgedanke entwickelte sich im BJJ auch mit der Zeit, aber erst viel später und wie erwähnt, mit anderem Fokus.

So, und was war denn nun eher da?

Die klare Antwort: Nichts von beidem!

Beides entwickelte sich aus dem traditionellen, japanischen Ju-Jutsu bzw. Jiu-Jitsu. Die Brasilianer erhielten nach der Einführung durch Mitsuyo Maeda nur die traditionellere Form und konzentrierten sich die Jahre nach 1920 weiter auf Aufgabegriffe und Selbstverteidigungsbasis bzw. „Alles geht“-Kämpfe (Vale Tudo – einem wenig reglementierten Vorläufer der Mixed Martial Arts), während sich Judo früh nach Namenstage zum rein punktbasierten Wettkampfsport transformierte. Auch der Name der Kampfkunst wurde von Gründervater Kano Jigoro schon kurz vor den Reisen seiner Schüler um die Welt, von Jiu-Jitsu in Judo geändert und wurde so in Japan fast in allen Schulen so übernommen.

Fazit: Wie es bei Geschwistern ist, piesackt man sich gerne mal. Aber am Ende teilt man das gleiche Spielzimmer. Unsere Empfehlung: Trainiert beides als Einheit und setzt eueren Schwerpunkt je nachdem, für was ihr kämpft. So wird man ein kompletterer Kampfkünstler und nur so kommen wir auch wieder unseren gemeinsamen Wurzeln näher.